Das Leben im Schatten des Eisernen Vorhangs

Der Eiserne Vorhang und die Mauer.

Katja Güth war dabei, als Deutschland geteilt war. Und als der Eiserne Vorhang fiel. Am Sonntag hat sie darüber einen Vortrag am Verteidigungsmuseum gehalten.

 

Katja Güth wurde in der Kleinstadt Treffurt geboren. Die lag in Ostdeutschland, direkt am Eisernen Vorhang, der Grenze zwischen Ost und West. Heute lebt sie in Niemisel, arbeitet für deutsche Medien, fotografiert und ist freischaffende Künstlerin.

Die ersten Lebensjahre wohnte sie mit der Familie nur einen Steinwurf vom Grenzgebiet. Die Familie hatte Kirschbäume, die jeden Sommer gepflückt wurden.

„Wenn wir im Baum saßen, konnten wir den Osten und den Westen sehen.“

 

Minen

 

Zäune und Stacheldraht standen in östlicher Richtung. Danach kam das Niemandsland mit den Minen. In westlicher Richtung lag die eigentliche Grenze.

„Es kam vor, dass über Fluchtversuche geredet wurde, aber nur hinter vorgehaltener Hand. Die Situation war jedoch latent befremdlich mit den Soldaten in der Stadt.“

 

Während man den Westen mithilfe des Marshallplans der USA wieder aufbaute, war die DDR in einer schweren Situation. Riesige Summen  Entschädigung mussten nach dem Zweiten Weltkrieg an die Sowjetunion gezahlt werden. Die Menschen flüchteten in den Westen.

„Man kann niemals den Bau einer Mauer verteidigen, womit man sein eigenes Volk einsperrt. Aber wie hätte man das Problem sonst lösen wollen? Die DDR wurde geradezu entvölkert, hätte man alle einfach ziehen lassen; so wie heute in Norrbotten?“

 

Granaten

 

Ein scheußliches Detail der Grenzsicherung waren die Selbstschussanlagen, 60.000 gab es entlang der innerdeutschen Grenze, die Granaten auf Flüchtende feuerten.

Aber die Tage der Unfreiheit waren gezählt. Am 9. November begann die Mauer zu bröckeln.

„Mit diesem Tag ist es für uns Deutsche wie für euch Schweden der Mord an Olof Palme: Man weiß genau, was man da gemacht hat. Ich habe Radio gehört, mein Lieblingsprogramm als Papa sagte, die Grenze sei offen.“

 

Links gerichtet

 

Katja Güth hat ihr Weltbild noch nicht gefunden.

„Ich denke immer noch viel drüber nach, was ich glaube und wofür ich stehe. Ich bin weiterhin eher links gerichtet, aber ich kenne kein Land mit einer funktionierenden Linksdemokratie, wo man die Leute nicht einsperrt. Deshalb bin ich liberal. Ich glaube, die Freiheit ist eine große Antriebskraft für die Menschen.“

 

INFO

Die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland wurde im August 1961 errichtet. Sie bestand aus einer 160 Kilometer langen Mauer in und um Berlin und eine strteng bewachte 1.400 Kilometer-lange Grenze durch Deutschland. Es gibt unterschiedliche Angaben über die Höhe der Todesopfer bei der Flucht. Einige Quellen gehen von etwa 200 aus, andere von bedeutend mehr.

 

Håkan Zerpe

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